Eine Eule

Psychoticker
der Blog von Dr. med. Barbara Günther-Haug
Privatpraxis für Psychotherapie Schmitten

16Jan/11Off

Blockierende Ideen

Geschrieben von Dr. med. Barbara Günther-Haug
Ärztin / Psychotherapie / EMDR-Therapeutin Privatpraxis für Psychotherapie Gartenstraße 12, 61389 Schmitten Tel.: (0 60 84) 94 92 39

Zitronen auf einem Baum
Krisen bewältigen heißt auch: Erkentniss wachsen lassen – süße wie saure

Manchmal muss man nicht von Menschen, sondern von Ideen Abschied nehmen. Es gibt dringende Wünsche, bohrende Sehnsüchte, beklemmende Ängste –die aber alle gar nichts mit der Realität zu tun haben, jedenfalls nicht mit der Wirklichkeit unserer Gegenwart. Es gibt Überzeugungen, die in der Vergangenheit wahr und hilfreich gewesen sein mögen, inzwischen aber ihre Gültigkeit verloren haben und nur noch hinderlich sind. Manche machen krank. Manche sind so irrational, dass wir sie uns nicht zu Bewusstsein kommen lassen, und doch wirken sie aus dem Unbewussten auf unser Handeln ein – Illusionen und Ansprüche, die so tief in uns wurzeln, dass unser ganzes Leben von ihnen überschattet wird.

Es folgt eine Auswahl von besonders verbreiteten blockierenden Ideen. Alle können uns, wenn wir bewusst oder unbewusst zu stark darauf fixiert sind, ernste Schwierigkeiten bereiten. Wenn Sie sich also irgendwo wiedererkennen, überlegen Sie, ob Sie lernen können, anders zu denken – notfalls mit äußerer Hilfe.

  1. Ich müsste es besser können, als ich es kann – ich bin nicht gut genug.Haben Sie überhaupt einen Begriff von all dem, was Sie können?
  2. Wenn ich mich mit meiner ganzen Energie einsetze, kann ich alles erreichen.Manche Grenzen sind unüberwindlich; manchmal entscheiden die Launen des Schicksals. Vergessen Sie nicht das Ausruhen.
  3. Ich muss alles allein schaffen.Sind Sie Robinson? Sie können die andern fragen.
  4. Ich kann nichts mehr allein schaffen.Haben Sie schon angefangen zu üben? Lassen Sie sich zeigen, wie es geht.
  5. Ich bin an allem selber schuld.Ziehen Sie eine vernünftige Grenze zwischen Ihrer Verantwortung, der Verantwortung anderer und dem Schicksal. Siedeln Sie Ihren Einfluss nicht zu hoch an.
  6. Man muss die Zeit zurückdrehen.Unmöglich. Nutzen Sie die Gegenwart.
  7. Die Welt ist nicht gut genug.Die Welt wird sich so bald nicht ändern, machen Sie auf Ihre Weise das Beste daraus.
  8. Das kann doch alles nicht wahr sein.Manche Dinge sind sehr schlimm, aber trotzdem wahr.
  9. Alles sollte perfekt sein.Unmöglich. Wer bestimmt überhaupt, was perfekt ist?
  10. Wenn ich nur will, kann ich gesund bleiben.Unsere Natur ist unserm Willen nur zu einem Teil unterworfen.
  11. Ich muss besser sein als die andern.Hin und wieder ist das zu schaffen. Aber natürlich werden die andern auch mal ein Osterei finden.
  12. Mein Glück ist völlig abhängig von andern Menschen und äußeren Umständen.Sie haben selber Willen und Vorstellung, nutzen Sie Ihre Spielräume.
  13. Ich muss alles richtig machen.Unmöglich. Gehen Sie mit Ihren Fehlern nachsichtig und lernwillig um.
  14. Wenn ich es fest genug wünsche, klappt es.Wünschen allein ist wirkungslos.
  15. Ich werde bestraft.Von wem denn? Leiden Sie nicht vielmehr unter den Folgen Ihres Handelns oder den Schlägen eines blindwütigen Schicksals?
  16. Ich muss mich zu Tode schämen.Geben Sie sich noch eine Chance.
  17. Irgendwer muss mir doch helfen.Die andern können sich verweigern. Nutzen Sie Ihre eigenen Möglichkeiten.
  18. Ich bin klein, ich bin goldig, mit mir schimpft man nicht.Das war mal …
  19. Man muss sich in allen Lebenslagen beherrschen können.Man darf auch mal durchdrehen, solange man keine Gesetzte bricht und sich später wieder beruhigt.
  20. Das müssen die andern doch auch so sehen.Die andern sind anders. Handeln Sie nach Ihrer eigenen wohlerwogenen Überzeugung.
  21. Ich muss dauernd über die Zukunft nachdenken, um alles unter Kontrolle zu halten.Totale Kontrolle ist unmöglich, egal wie viel Sie nachdenken.
  22. Ich kenne einen andern Menschen zu hundert Prozent.Sie kennen sich nicht einmal selbst zu hundert Prozent.
  23. Wenn ich mich einmal festgelegt habe, muss ich dabei bleiben.Manche Entwicklungen fordern ein Umdenken.
  24. Es bleibt alles, wie es ist.Alles ist ständig im Wandel.
  25. Indem ich darüber nachdenke, ziehe ich das Unheil erst recht an.Denken allein ist harmlos.
  26. Ich muss es allen recht machen.Sie müssen Ihr Leben für sich selbst wertvoll machen.

Und Ihre eigenen Ideen ….?

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